INFEKTIÖSE POLYNEUROPATHIE
(infektiöse, infektionsbedingte
Polyneuropathien)
Zunächst gute Nachrichten für alle Schmerzpatienten
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf , in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik) Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 (Pressekommentar dazu: https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik) und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerzklinik.com/sozialgericht3.
Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st mit, dass alle gesetzlich Krankenversicherte mittlerweile einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen.
Der Begriff "infektiöse Polyneuropathie"
"Infektiöse" bedeutet "ansteckungsfähige,
ansteckende, übertragbare". Unter einer Infektionen versteht man das
Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten in
den Mensch, wo sie sich vermehren.
Das Wort
Polyn europathie
setzt sich zusammen aus "poly" (= viel, mehr als normal), neuro
(= Nerven
betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit).
Das klassische Beispiel für infektionsbedingte
Polyneuropathien ist die
Polyn europathie im Rahmen einer
Borreliose,
auch
Lyme-Borreliose genannt.
Die Borreliose ist eine Multisystemerkrankung und läuft in Stadien ab. Die variable
Symptomatik reicht von akuten Hautläsionen (Erythema chronicum migrans) bis hin
zu schweren rheumatologischen, neurologischen (u.a.
infektiöse Polyn europathie)
und kardialen (=
das Herz betreffenden)
Manifestationen
(=Erscheinungen).
Grundsätzlich kann
jede der klinischen Manifestationen (=
Krankheitszeichen) isoliert, aber auch in Kombinationen
auftreten.
In Mitteleuropa erfolgt die Übertragung des
krankheitauslösenden Bakteriums Borrelia burgdorferi durch die Zecke Ixodes
ricinus. Der
Zeckenbiss
(genauer gesagt,
Zeckenstich) wird oft nicht bemerkt.
Erstes Anzeichen ist eine wandernde, flächenhafte Rötung (Erythema migrans). Diese tritt Tage bis Wochen nach dem
Zec kenbiss auf.
Auch diese infektionsbedingte Polyn
europathie
bzw.
Lyme Krankheit führt im
fortgeschrittenen Stadium zu einem brennenden
Dauerschmerz im
Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rückenmark und
Gehirn verlaufender) Ner ven, vorwiegend in
Ar me und Be ine, vor allem im Bereich von Finger und Zehen.
Darüber hinaus bestehen Parästhesie
n (=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesie n und
Hyperpathie
n
(= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit
von Ner ven
und Mus keln sowie evtl. motorische (= die
Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand
et Rumpl 1988).
Schmerzattacke
n wie bei einer
Neuralgie
sind sehr selten. Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige
Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit).
Der
brennende Schmerzcharakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer
Kausalg ie
führen.
Weitere Infektionen, die, wenn auch viel seltener, zu infektiöse n Polyneuropathien führen können (Auswahl): Masern, Herpes, HIV, Diphtherie, Lepra und Malaria.
Untersuchung bei einer infektiöse
n Polyneuropathie
im Rahmen einer Borreliose:
Der Nachweis der Borrelien-Infektion erfolgt serologisch (=
Blutuntersuchung auf Antikörper). Bei Verdacht auf
Neuroborreliose sollte grundsätzlich auch der Liquor cerebrospinalis
(= das Hirnwasser)
untersucht
werden (Liquor/Serum-Paar vom selben Tag).
Ansonsten führt auch die
infektiöse Polyn europathie
zu einer Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der
Muskeleigenreflexe), Ausfällen im Vibrationsempfinden
(Pallhypästhesie bis hin zu
Pallanästhesie im Stimmgabelversuch) und Störungen der Sudomotorik (=
Schweißverhalten), die von Lähmungen begleitet sein können.
Je
nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein
sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende)
oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und
Muskelkraft betreffende) Formen von
Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie)
und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose einer
Polyn europathie,
unabhängig von der Ursache.
Kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie bei Polyneuropathie (infektiöse):
Die Primärtherapie (= Basis- oder Grundbehandlung) erfolgt im Falle der Lyme Krankheit mit Antibiotika, ansonsten muß primär die Grundkrankheit bzw. die vorliegende Infektion entsprechend bekämpft werden.
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie der infektiöse n Polyn europathie (gilt auch für andere Formen):
Physikalische Therapie bei infektiöse
r Polyneuropathie:
Eine
Vielzahl von Methoden sind geeignet, das
Schmerz
bild einigermaßen erträglich
zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse, Wärmekammer
oder eine oberflächliche Kryobehandlung (=
Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff
oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit
transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden herbeigeführt werden.
Neuerdings führen wir bei einer
infektiöse
n
Polyn europathie im Bereich der unteren Extremitäten
(= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschen
kel des
Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen
Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz
pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag)
zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales
(= im gleichen Rhythmus)
Gefäßtraining. Durch
die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen
optimiert. Mehr
über diese Therapie erfahren Sie hier:
www.1-avk.de
(einfach anklicken).
Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
bei
infektiöse
r Polyneuropathie:
Wiederholte Nervenblockade
n - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der
korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben
der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer
(sympathischer) Faseranteile (Sympathikolyse), woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung
im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen
Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung bei
der infektiöse
n
Polyn europathie
nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf
die Ursache ausgerichtet).Eine derartige
Durchblutungssteigerung führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und
damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus (=
Stoffwechsel) der Nervenzellen.
Im Bereich der oberen Ex tremitäten
(= Ar me)
bietet sich die
Blockade des Pl exus brach ialis
(= großes Armnervengeflecht)
an,
insbesondere
kontinuierlich mit Katheter.
Im Bereich der unteren Ex tremitäten
(= Be ine)
kann, besonders bei distal (= weiter unten)
betonten Beschwerden, zunächst der Nervus isch iadicus wiederholt blockiert
werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer
kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die
Einpflanzung eines Katheters (*
siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es
jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt
sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß.
Bei
Beschwerden im Bereich der unteren Ex tremitäten
(= Be ine)
kann auch eine niedrig dosierte per idurale
(= rückenmarknahe) Blockade
durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann
optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h.,
die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben
abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (*
siehe unten). In der Regel reicht eine geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus
(z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sak ralblockaden (= rückenmarknahe
Blockade durch eine Öffnung im Kr euzbein
hindurch) empfohlen (Kossmann et al. 1988).
Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung bzw. Behandlung mit Lokalanästhetika zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.
Intravasale
(= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika-Gabe:
Bei polyneuropathischen Beschwerden im
Beinbereich hat sich
die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader)
Einspritzung eines
Lokalanästhetikum
s (=
örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Lidocain in niedriger
Konzentration) gut bewährt. Dabei verabreichen wir
eine Serie von ca. 10 Injektionen in die Arteria femoral is
(= Schlagader im vorderen
Oberschenkel) an
aufeinander folgenden Tagen, jeweils 1x täglich. Um die Traumatisierung
(= Verletzung) der Arterienwand möglichst gering zu
halten, wird eine sehr dünne Kanüle verwendet. In der Regel geben die Patienten unmittelbar
nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im
behandelten
Bein an.
Sehr gute Erfolge sehen wir, wenn bei der infektiöse n Polyn europathie oben beschriebene Nervenblockade n mit einer Infusionsserie kombiniert wird. Der Infusionslösung (z.B. 500 ml NaCl) werden 1-1,5 mg/kg Körpergewicht Lidocain zugesetzt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Nervenblockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen, auch bei einer infektiöse n Polyneuropathie.
Bestehen Schmerzen, auch aufgrund einer infektiöse n bzw. infektionsbedingte n Polyn europathie, längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.
Hier gelangen Sie zu weiteren Formen von Polyneuropathien :
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer
ein Arzt zu konsultieren!Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen
wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der
verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.
Aktualisiert: >22.04.2008</>kusb&
N
Nervenkrankheiten,
Nervenschmerzen (http://www.nervenschmerzen.eu),
Neuralgie (1),
Neuralgie (2),
Neuralgie nach Zoster (www.zoster-neuralgie.de),
Neuritis (www.neuritis.de),
Neuroborreliose,
Neuropathische Schmerzen (www.schmerzen-neuropathische.de),
Neuropathie (www.neuropathie.org),
Nierenschmerz,
O
Occipitalneuralgie,
Offene Beine,
offenes Bein,
Ohrgeräusche,
Okzipitalsyndrom,
Okzipitalis-Neuralgie,
Olisthese,
Omalgie,
Omarthritis (http://www.omarthritis.eu),
Omarthrose (http://www.omarthrose.eu),
orofaziale Dysfunktion,
Schmerzklinik (1),
Schmerzklinik (2),
Schmerzklinik (3),
Schmerzklinik (4)
www.infektioese-polyneuropathie.de <strong>Polyneuropathien</strong>
<strong>infektiöse</strong>, <strong>infektionsbedingte</strong> <strong>
Polyneuropathien</strong>